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04.11.2014, Köln, Sven Hansel

Transfer-Preise bei Merck

Der Pharmakonzern Merck verfolgt ein wegweisendes Business Intelligence-Projekt: Das Unternehmen verzahnt die bereits vorhandenen Finanzberichtsdaten für ein effizientes Transferpreis-Management.

Verrechnungspreise (meist Transferpreise genannt) sind Problemfelder des Konzernsteuerrechts, insbesondere für globale unternehmen. Laut einer Studie der WTS Group haben von 79 Ländern bereits 75 Prozent Gesetze zu Verrechnungspreisen erlassen. Der Chief Financial Officer (CFO) muss sich der steigenden Risiken bewusst sein und die schärferen Vorgaben sowie die interne Überwachung sicherstellen.Dies unterstreicht auch Dr. Frank Schöneborn, Leiter Global Operational Transfer Pricing Management der Merck KgaA: «Ein effizientes Reportingsystem mit entsprechender IT-Plattform ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Transfer Pricing in Konzernen. Notwendige Analysen dauern nicht mehr Tage, sondern sind immer aktuell, kurzfristig unterjährig und auch Jahre später auf Knopfdruck reproduzierbar.»
Der Manager sieht diese Bedingungen nicht allein auf den Hersteller pharmazeutischer und chemischer Hightech-Produkte beschränkt: «Ein nach Transaktionstypen segmentiertes Reporting der GuV stellt für das Rechnungswesen und die IT eine große Herausforderung dar. Alle Konzerne haben ähnliche oder sogar gleich lautende steuerliche Anforderungen an die Datentransparenz und müssen so unternehmensspezifische Customizing-Lösungen suchen», sagt Schöneborn.
Merck erkannte diese Risiken und handelt proaktiv. Das Darmstädter Unternehmen agiert global mit 40’000 Mitarbeitern – in den Sparten Merck Serono, Consumer Health, Merck Millipore und Performance Materials. «Transferpreise rücken weltweit zunehmend in den Fokus der lokalen Steuerbehörden», sagt Christian Albrecht vom Transfer Price Management und zuständiger Projektleiter. «Die Auflagen für Dokumentationen und konsistente Daten bezüglich einer angemessenen Profitabilität der einzelnen Konzerngesellschaften steigen folglich in der Bedeutung massiv. Auch bei Merck stellte sich für uns die Frage, wie wir die erforderlichen Daten und Berichte aus den vorhandenen IT-Systemen effizient generieren sollten.»
Nach eingehender Analyse begann Merck, ein standardisiertes, harmonisiertes Transferpreis-Reportingsystem für den Gesamtkonzern im BI-Umfeld aufzubauen. Der Fokus lag auf der tief- greifenden Analyse der Vertriebsgesellschaften und deren Profitabilität.
Die Konzernprodukte werden von sogenannten Entrepreneur-Gesellschaften teilweise über mehrere Konzerngesellschaften hinweg vertrieben. Dementsprechend groß ist die Anforderung bei der globalen Überwachung und Steuerung der Transferpreise an alle Sparten und Business Units. «Bei uns kam neben der Komplexität der Konzernlieferketten und der Vielseitigkeit der Geschäfte erschwerend hinzu, dass auf kein gemeinsames globales Enterprise Resource Planning (ERP)-System zurückgegriffen werden kann», beschreibt Manuel Bierwirth, technischer Projektmanager bei Merck die Situation, «alle transferpreisrelevanten operativen Transaktionen finden zwischen den nicht miteinander verbundenen lokalen ERPs statt.»
Bis zur Implementierung des neuen Reportings wurde die GuV einer Teilgesellschaft über die Business Segment-Hierarchie aufgebaut. Nicht selten waren manuelle Anpassungen notwendig. Aus Transferpreissicht benötigte Merck darüber hinaus eine detaillierte Sicht, die die brutto- oder auch Nettomarge nach Intercompany-Lieferant oder Entrepreneur-Gesellschaft ausweist.
Dieser Blick auf die Wertschöpfungskette ist heute vollständig. Denn das auf der Lösung «Gauss BI» basierende Transferpreis-Reporting ermöglicht nicht nur erstmals eine konzernweite Steuerung und die Überwachung der grenzüberschreitenden Produktmargen entlang der Lieferketten. Es nutzt dazu effizient und konsistent bereits vorhandene Daten in der Zentrale. Zusätzliche monatliche Datenflüsse aus den Konzerngesellschaften sind nicht no¨tig: Die Lösung verknüpft zentrale Daten von Finanzwe- sen und Master Data-Management.
Rein technisch funktioniert das Reportingsystem so: Gauss BI enthält als zentrale BI-Plattform alle relevanten Daten für das Konzern-Finanzreporting aus den lokalen ERP-systemen der Merck-Gruppe. Als Quelle dienen die monatlichen Reportings der Länder. Die Daten werden in verschiedenen Syste- men überregionale BI-Cluster aggregiert und dann in das zentrale Gauss Business Intelligence-Data Warehouse geladen. Die Gauss-Plattform enthält somit unter anderem die nicht konsolidierten GuV-Daten der Merck-Gesellschaften. Diese werden angereichert mit Informationen aus den Wertketten und Produktstammdaten und dann monatlich prozessiert, um aktuelle Reports und Kennzahlen zu erhalten.
Für die Anwender bei Merck stehen auf der BI-Plattform zahlreiche Reportingtools der SAP Business Objects Suite zur Verfügung. «Bei etwa 70 Vertriebsgesellschaften, der Segmentierung in vier Sparten und darunterliegend in Business Units ist dies keine einfache Aufgabe, zumal teilweise unterschied- liche Transferpreis-Methoden Anwendung finden. Das System läuft aber zu unserer vollsten Zufriedenheit», sagt Albrecht. Durch die intelligente Verzahnung von vorhandenen Daten bewegten sich die Projektkosten im Rahmen.
Die Merck-Lösung überzeugte auch die Jury des renommierten «BARC Best Practice Award»: Das Unternehmen gewann den jüngsten Wettbewerb in der Kategorie «Großunternehmen».

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net © ProfilePublishing Germany GmbH 2014. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung der ProfilePublishing Germany GmbH

BARC-Kongress
Innovative und zugleich wirtschaftliche Projekte, Marktanalysen und Softwarepräsentationen für Business Intelligence stehen im Mittelpunkt des BARC BI congress 2014 am 18. und 19. November in Frankfurt a.M. Die Veranstaltung richtet sich an Entscheider, BI-Verantwortliche, IT-Manager sowie Projektmitglieder aus den Fachabteilungen. Weitere Informationen unter www.barc.de/congress

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