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15.08.2014, 15.08.2014, Wolf K. Müller Scholz

Teamworker im Energiehandel

Europas größter Energiehändler RWE Supply & Trading integriert Daten und Prozesse in einem zentralen System. Risikomanagement und Finance arbeiten mit einem einheitlichen analytischen Front-End.

Mehr als 1’100 Milliarden Kilowattstunden Strom und 600 Millionen CO2-Zertifikate handelte Europas größtes Energietradinghaus im vergangenen Jahr. Hinzu kamen 300 Milliarden Kubikmeter Gas, 735 Millionen Tonnen Kohle und zwei Milliarden Barrel Öl. Dafür braucht die RWE Supply & Trading eine besonders leistungsstarke IT.

Die Tochter des Essener Energiekonzerns RWE AG baute in den vergangenen drei Jahren ein entsprechendes System auf: Es aggregiert rund um den Globus die gesamten Daten des Eigenhandels mit Öl und Kohle, Strom, Gas sowie neuen Energiequellen, unterstützt das konzernweite Risikomanagement und dient als Basis für Analysen und Prognosen für die Geschäftsleitung. «Wir haben nun ein stabiles und harmonisiertes System, das alle Risiken auf täglicher Basis für die Analyse zur Verfügung stellt, beliebige historische Zeitreihen im Detail unter die Lupe nehmen kann und für Audits gerüstet ist», sagt Projektleiter René Hörmann.

Konsistente Grundlage für Berichte.
Dazu war das Vorgängersystem noch vor drei Jahren, als das Projekt begann, nicht in der Lage: «Obwohl dieses nur vier bis fünf Prozent unseres heutigen Datenvolumens zu bewältigen hatte, konnte das alte System nur die Informationen für einen einzigen Trading Desk verarbeiten, deckte geringere historische Zeiträume ab und war wenig flexibel für Ad-hoc-Auswertungen », sagt Tom Jödecke, Chefentwickler des neuen Systems. Der Ausbau auf alle sechs elektronischen Handelsbereiche war nicht möglich. «Die alte Plattform bewältigte weder das höhere Datenvolumen noch war sie skalierbar», betont Thomas Haydon, Technischer Projektleiter im RWE-Team.

Das neue Data Warehouse wurde mit dem Ziel aufgebaut, Handelsdaten und Geschäftsabläufe zu harmonisieren. Es bietet heute fast alles, was das Herz der RWE-Risikomanager und Finance-Kollegen begehrt: «Es liefert eine konsistente- Grundlage für sämtliche täglich, wöchentlich und monatlich zu liefernde Standardberichte in allen Unternehmensbereichen », sagt Dennis Hoofe, Scrum- Master des Projektteams. Dies reiche von Metriken wie der G+V-Rechnung über Risikokennzahlen wie Value-at-Risk bis hin zu den Handelspositionen und Risikokonzentrationen. «Jeder Manager kann heute nach seinen individuellen Wünschen direkt einen Drill-down in die Portfolien bis hin zu einzelnen Deal-Cashflows durchführen », ergänzt Jödecke.

Das liegt vor allem daran, dass alle Berichte auf denselben Kalkulationsmodellen und Algorithmen aufbauen. Sie werden von allen RWE-Trading Desks benutzt. Das System verarbeitet dabei 50 Gigabyte Rohdaten pro Tag, die Faktentabellen bewegen sich im Bereich von vielen Milliarden Zeilen.

Gespeichert werden sämtliche Informationen in einem zentralen Data Warehouse basierend auf Oracles Exadata-Lösung, das mit Daten aus einem fachspezifischen «Energy Trading Risk Management»-System gefüttert wird. Das für die praktische Nutzung sehr wichtige analytische Front-End kommt von MicroStrategy. «Wir entschieden uns für diese Software, weil sie trotz umfangreicher Funktionalität sehr komfortabel und intuitiv zu bedienen ist», sagt Thomas Haydn.

Alle Daten über Nacht strukturiert.
Dies ist im Alltag des Energiehandels besonders wichtig. «Sämtliche Handelsdaten, die tagsüber aufkommen, werden gesammelt und gemeinsam mit den historischen Daten über Nacht verarbeitet. Danach werden sie im Data Warehouse zur Verfügung gestellt und stehen damit in MicroStrategy sämtlichen Risikomanagern und so auch den Händlern am nächsten Morgen zur Verfügung», verdeutlicht Haydon die Abläufe.

Damit zusammenhängend wird das Risikomanagement auf zwei Ebenen unterstützt: einerseits bei Standardberichten, die zum Beispiel täglich an die eigene Bereichsleitung oder an die Trader, monatlich für den Bereich Finanzen geschickt werden, andererseits bei Ad-hoc-Reports. Quantifizierbaren Nutzen stiftet dabei auch die enge Verknüpfung von Risikound Finanzmanagement. «So sind zum Beispiel die Zahlen aus dem Risikomanagement gleichzeitig von Finance nutzbar, sie müssen nicht mehr umständlich aus mehreren unterschiedlichen Systemen extrahiert werden», sagt Hoofe. Entscheidend für die Nutzerakzeptanz sei dabei die hervorragende Qualität der BI-Lösung von MicroStrategy.

Das neue System ist in die gesamte Organisation der RWE Supply & Trading GmbH eingebunden und wird vom Topmanagement nachhaltig unterstützt. Bei seinem Start vor drei Jahren war der damalige Chief Financial Officer der RWE Supply & Trading GmbH, Bernhard Günther, eine der treibenden Kräfte. Günther ist heute Finanzchef der Muttergesellschaft RWE AG (siehe BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE Nr. 4/2013).

Das Projektteam wurde nach dem Abschluss des Umbaus in die Linienfunktion überführt, das Fachteam, und damit die funktionale Seite der neuen Plattform, ist direkt an den Chief Risk Officer (CRO) des Unternehmens angebunden. Die technische Seite des innovativen Systems ist Teil der Abteilung «Market Risk IT».

Regulatorische Vorschriften erfüllen.
Diese klare organisatorische Gliederung hilft im Geschäftsalltag: Das Projektteam, das nach dem Ende der Aufbauphase von ursprünglich rund 40 auf ein Dutzend Mitarbeiter reduziert wurde, trifft sich jetzt alle zwei Wochen mit der Fachseite, um sich über wichtige operative Maßnahmen und Entscheidungen abzusprechen. Zwei- bis viermal im Jahr gibt es Sitzungen mit den Senior Managern, wie etwa dem CRO, um die übergreifende Strategie festzulegen. Projektleiter René Hörmann resümiert: «Unser Management ist mit dem neuen System sehr zufrieden, weil es neue Flexibilität eröffnet, unternehmensweit konsistente Daten garantiert und gleichzeitig die regulatorischen Vorschriften erfüllt.»

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net © ProfilePublishing Germany GmbH 2014. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung der ProfilePublishing Germany GmbH

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