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01.01.2013, Köln/Zürich, Wolf K. Müller Scholz

Brain Gain-Strategie

Der alte, westliche Kapitalismus ist tot. Es lebe die neue, multipolare Weltwirtschaft. China & Co. zeigen Muskeln. Nur wenn wir unsere Stärken nutzen, können wir mithalten.

Die Schwergewichte unserer Welt verschieben sich radikal: Die Finanzkraft wandert aus den alten Zentren wie New York, Frankfurt oder Zürich in die aufstrebenden Metropolen wie Shanghai, Singapur oder Sao Paulo. Gleichzeitig verschieben sich die politischen und innovativen Schwergewichte. China ist auf dem Weg zur Weltmacht Nummer eins. Andere Neustarke wie Brasilien, Russland oder Indien trumpfen ebenfalls unüberhörbar auf.

Der Westen muss lernen zu teilen, seinen Platz in der neuen Weltordnung finden – und eigene Stärken nutzen. Zwar strotzen die Emerging Economies nur so vor Kraft und Selbstbewusstsein: mit ihrem atemberaubenden Wirtschaftswachstum, ihren intakten Bevölkerungspyramiden, ihren Rohstoffreservoiren und ihren Megainvestitionen. Aber im Gebälk dieser Gesellschaften ächzt und knackt es: Dinge, wie der oft rücksichtslose Umgang mit Menschen, Umwelt und Ressourcen oder die fehlende Demokratie, bergen gefährlichen sozialen Sprengstoff. Er kann den wirtschaftlichen Aufwind bei den Newcomern bremsen. Die gegenwärtigen Unruhen in der arabischen Welt sind nur ein Vorgeschmack auf das, was auch anderswo droht.

In dieser stürmischen See bilden wir eine Insel der Stabilität – trotz unserer ökonomischen und politischen Schwächen. Unser festes Gesellschaftssystem, die soliden Infrastrukturen, die gereifte Kultur bilden eine einzigartige Magnetkraft, die Menschen aus den aufstrebenden Ländern stark anzieht: Touristen, Investoren, Arbeitskräfte. Achten Sie einmal auf das Leuchten in chinesischen Augen, wenn die Sprache auf Bach oder Goethe, auf deutsche Autos oder Schweizer Uhren, auf Maschinenbau oder Savoir Vivre kommt.

Und diese Faszination sollten wir nutzen – für eine klare und konsequente Brain Gain-Strategie: Wenn unsere Industrien und Forschungsinstitute global wettbewerbsfähig bleiben sollen, brauchen wir die besten Köpfe der Welt. Exzellent ausgebildete, fähige und leistungswillige Menschen. Aufgrund der alternden Gesellschaft, der verschobenen Gesellschaftspyramide fehlen uns ausreichend (junge) Wissensträger und Facharbeitskräfte. Deshalb müssen sie aus anderen Ländern geholt werden.

Die andere Seite dieser Strategie betrifft eine Art inneren Brain Gain: die Aktivierung älterer Fachkräfte der Generation 60 plus. Als «Graue Panther» bieten sie mit all ihrem Wissen und ihrer Erfahrung ein unschätzbares Potential – als Arbeitskräfte, nicht nur als Konsumenten. Ökonomen sprechen auch deshalb von der «Silver Generation ». Wie sich dieser Mehrwert nutzen lässt, zeigt eine bahnbrechende Studie von Oxford Economics und Accenture, die wir in dieser Ausgabe vorstellen. Die Forscher errechneten, dass durch die optimale Aktivierung der «Best Ager» zum Beispiel in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt 2020 um 61 Milliarden Euro oder 2,1 Prozent höher wäre als ohne deren Einsatz. Und die Zahl der Arbeitsplätze würde dann rund 42 Millionen statt 40,5 Millionen betragen. Konzerne wie BMW zeigen heute schon, wie die Integration der Alten funktioniert – mit Business Intelligence: profitabel und sozial verträglich.

Der große Brain Gain ist möglich. So können wir China & Co. die Stirn bieten. Dafür müssen wir aber starre Denkmuster über Bord werfen.


Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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