Sportmanagement

Business Analytics bei Sportevents.

Die Anzahl der Sportwettbewerbe nimmt extrem zu – so wie die Ansprüche der Sponsoren und TV-Kanäle. Bei der immer komplizierteren Organisation kann Business Analytics helfen.  

Von Wolf K. Müller Scholz

Montagsspiele, englische Wochen, dreitägige Champions-League-Blöcke  – die Fußballevents vermehren sich inflationär. Dieser Überfluss erzeugt nicht nur Freude, sondern auch Stress. Denn die Spielpläne sind vollgestopft. Und die Terminplaner müssen die speziellen Anforderungen von den Werbepartnern bis hin zu Sicherheitsvorschriften berücksichtigen.

So wird es zum Beispiel immer schwieriger, Termine für Nachholpartien zu finden. Jüngst etwa musste das Gastspiel des 1. FC Köln bei Erzgebirge Aue unter anderem wegen drohender Kollisionen mit der Champions League auf den Tag vor Weiberfastnacht gelegt werden – was in der Hochburg des rheinischen Karnevals auf heftige Kritik stieß. 

Trotz der zunehmenden Terminprobleme wächst die Zahl der Wettbewerbe wei- ter. Allein die Fifa will so bald wie möglich zwei neue aus der Taufe heben: eine reformierte Klub-WM und eine «Global Nations League». Eine Taskforce arbeitet derzeit ein Konzept aus.

Zusätzlich kompliziert wird die Terminplanung durch die ebenfalls stark steigende Anzahl von Wettbewerben anderer Sportarten, die in der Popularität im Vergleich zu König Fußball aufholen. Beispiel Handball: Ermutigt vom großen Zuspruch der Zuschauer, etwa während der jüngsten Weltmeisterschaft, dehnt die Branche  ihr Eventangebot aus, unter anderem mit einer erweiterten «European Handball League».

 

Algorithmen und Einflussfaktoren.
Angesichts dieser Terminflut werden die Spielpläne im professionellen Bereich seit einigen Jahren nicht mehr manuell, sondern mithilfe spezieller Business Analytics-Software erstellt. Deren Algorithmen sind auf die Lösung von Aufgaben im Bereich der Ganzzahlen ausgerichtet und deshalb besonders für die Erarbeitung von Sportterminplänen geeignet. Dabei integrieren sie automatisch die wichtigsten Entscheidungsfaktoren wie vor allem:

  • einen fairen Spielplan aufzustellen,
  • die Werbeeinnahmen der TV-Sender zu maximieren,
  • die Überlappung von Veranstaltungen zu vermeiden,
  • die Reisezeit der Mannschaften zu minimieren,
  • die Verfügbarkeit der Örtlichkeiten für die Events zu prüfen,
  • die polizeilichen Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen. 

In der Regel handelt es sich um Methoden der metaheuristischen Optimierung der «Lokalen Suche», der sogenannten genetischen Algorithmen, der «Constraint»-Programmierung, die Nebenbedingungen einbezieht, oder der gemischt-ganzzahligen Programmierungen («Mixed Integer Programming», MIP). Oft werden diese Technologien auch kombiniert.

 

MIP-Analytics plus Xpress-Tool.
Während der deutsche Verband über eine eigene Software verfügt, setzen viele andere nationale Fußballorganisationen auf fertige professionelle Standard-Tools. 

In Frankreich, Brasilien oder Australien zum Beispiel kommt die Managementlösung GotPro zum Einsatz. Diese Plattform basiert hauptsächlich auf dem MIP-Verfahren und ist mit dem optimierenden Software-Tools Fico Xpress unterlegt. «Durch den Einsatz des Xpress-Werkzeugs sparen wir sehr viel Zeit», sagt Walter S. Gisler, Direktor des Bereichs Scheduling und Analytics bei GotPro.

 

Messbare Erfolge in den Ligen.
Mittels GotPro und Xpress gelang es beispielsweise der Scottish Professional Football League (SPFL), vier parallele Wettbewerbe so zu planen, dass die Zahl der Terminkollisionen zwischen Mannschaften aus der gleichen Region von zehn bis 20 pro Saison auf null sank. 

Und die United Soccer League (USL) in den USA verringerte damit die Reisezeit der Teams um 27 Prozent. «Der Analytics-Einsatz bringt in allen Fällen eine Reduzierung der Kosten, einen effizienteren Materialeinsatz und erhebliche Umsatzsteigerungen für die Ligen und die Clubs», sagt Gisler. 

Diesen Vorteil erzielen Gisler zufolge nicht nur die Organisatoren der Fußballligen, sondern auch  die von Wettbewerben in anderen Sportarten, wie zum Beispiel Baseball, Rugby und Basketball. 

Vielleicht müssen die Analytics-Experten bald eine weitere Sportart einbeziehen: den American Football für Frauen, bei dem die Spielerinnen, nur mit stylischer Unterwäsche bekleidet, um den Ball kämpfen – immerhin geschützt von Helm, Handschuhen sowie Schulter- und Gelenkpolstern. In Nordamerika wird diese Disziplin in der «Legends Football League» (zuvor «Lingerie Football League») ausgetragen und soll nach Europa kommen.  

Hier gilt die American Football-Hochburg Düsseldorf als ein künftiger Hotspot für diesen jungen, «attraktiven» Wettbewerb. Bleibt zu hoffen, dass Terminkollisionen mit dem Fußballgeschäft am Ort und im benachbarten Köln vermieden werden können – auch zur Karnevalszeit.

 

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net

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