Netzmanagement

Datenmanagement bei TransnetBW.

Die Energiebranche muss nicht nur die neuen Stromquellen in komplexere Netze integrieren. Auch die riesigen Datenmengen sind zu meistern. TransnetBW packt die digitale Transformation entschlossen an.

* Von Peter Welker

Die Energiebranche steht angesichts diversifizierter Stromerzeugung und neuer Netzstrukturen vor großen Herausforderungen. Diese betreffen in der Praxis nicht nur die Stromlieferung, sondern auch die Informationsverarbeitung des riesigen Datenbergs, der tagtäglich anfällt. Wie kann ein Unternehmen Herr über die Faktenmassen werden? Wie lassen sie sich sammeln, für den schnellen Zugriff vorhalten und weiterverarbeiten?

Eine beeindruckende Lösung entwickelte die TransnetBW. Sie ist unter anderem für den Betrieb, die Instandhaltung, die Planung und den bedarfsgerechten Ausbau des Übertragungsnetzes in Baden-Württemberg verantwortlich. Das Unternehmen koordiniert die Übertragung der Energie über weite Strecken und integriert dabei auch die erneuerbaren Energien in das Versorgungssystem.

So gewährleistet die TransnetBW die sichere und zuverlässige Versorgung von rund elf Millionen Menschen mit dem rund 3’200 Kilometer langen Höchstspannungsnetz, welches alle Anbieter auf dem Strommarkt diskriminierungsfrei und zu marktgerechten, transparenten Bedingungen nutzen können.  

Um die nötige Transparenz zu ermöglichen, müssen für alle Marktteilnehmer zahlreiche aktuelle Daten und Informationen aus verschiedensten Bereichen des Übertragungsnetzes laufend zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise zu Erzeugung oder Verbrauch, Lastflüssen oder Netzausbauprojekten. Dies spiegelt sich in einem deutlichen Anstieg der angefragten Datenvolumina wider, die mit den Bestandssystemen, die in ihrer Grundstruktur nicht für die Datenanalyse entwickelt waren, kaum effizient hätten bewältigt werden können.

Auf der unternehmensinternen Seite sieht sich die TransnetBW in sämtlichen Bereichen veränderten Anforderungen an Governance und Compliance gegenüber. Im Rahmen der bisherigen Prozesse können die benötigte Informations- und Dokumentationsqualität nur mit großem zeitlichem Aufwand gemeistert werden. Und diese Zeit fehlte im Zweifel an anderer Stelle für zentrale Aufgaben.  

Prozessdatenarchiv entlastet.
Die Antwort auf die gestiegenen Anforderungen war ein neues Prozessdatenarchiv. Darin werden alle Daten, welche die Bestandssysteme bei der Überwachung und Steuerung des Stromnetzes generieren, an zentraler Stelle gesammelt, umgehend archiviert und direkt für Analysezwecke verfügbar gemacht.

Dabei handelt es sich größtenteils um Echtzeitinformationen aus dem SCADA-System (Supervisory Control and Data Acquisition). Diese umfassen Mess- und Rechenwerte, die detailliert Auskunft über die Leistung und den Status quo des Übertragungsnetzes und der beteiligten Partner geben. Nach der Umstellung auf das Prozessdatenarchiv wurden die freien SCADA-Rechenkapazitäten wieder ihrem originären Zweck zugeführt – und  die dazugehörigen Prozesse automatisiert und standardisiert.  

65 Millionen Datensätze täglich.
Die Entlastung des SCADA-Systems war nötig: Denn täglich werden bei TransnetBW über 65 Millionen Werte archiviert. Seit 2014 kamen so mehr als 71 Milliarden Datensätze zusammen. Diese riesigen Volumina werden kontinuierlich in das Prozessdatenarchiv eingespeist und dort online für weiterführende Analysen vorgehalten. Nur so lässt sich gewährleisten, dass für die Aufarbeitung und Bewertung problematischer Situationen bei TransnetBW alle wichtigen Informationen zeitnah zur Verfügung stehen.

Matthias Wolf, Datenmanager bei TransnetBW, unterstreicht diese Verbesserung so: «Unser oberstes Ziel ist es, das Netz (n-1)-sicher zu betreiben und das Gleichgewicht von Erzeugung und Verbrauch im Netz jederzeit sicherzustellen. Dazu müssen wir das Stromnetz lückenlos überwachen und steuern. Dafür brauchen wir alle relevanten Daten zum einen für die Verarbeitung in Echtzeit im SCADA-System und zum anderen historisiert im Prozessdatenarchiv – und das sind ordentliche Datenmengen.» Allgemeine Abfragen zum Netzbetrieb müssen nicht länger aufwendig unter anderem vom SCADA-System geliefert werden, sondern werden bequem vom neu entwickelten Prozessdatenarchiv zentral abgedeckt.

Das neue Basissystem, das TransnetBW gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Trivadis AG realisierte, entwickelt sich stetig weiter – nicht zuletzt durch die Fragen der Anwender. Auch Daten aus anderen Bereichen sollen in Zukunft über die Lösung verarbeitet werden: «In weiteren Phasen wird es darum gehen, zwischen unseren zahlreichen aufgabenspezifischen Applikationen Verbindungen herzustellen und ein gemeinsames Datenmodell zu entwickeln», sagt Matthias Wolf.

* Peter Welker ist Senior Principal Consultant beim IT-Dienstleister Trivadis AG. Der erfahrene Experte arbeitet schon seit den frühen 1990er Jahren – als er Medizininformatik studierte – mit diversen Datenbanken: seit 1996 mit dem Fokus auf Oracle, seit 2005 mit MySQL.

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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