Studie Digitalisierung

Digitalisierung braucht CEOs.

Bei der Digitalisierung haben die Unternehmen in jüngster Zeit Fortschritte gemacht. Doch auf einigen Schlüsselgebieten tun sich laut den Ergebnissen einer Umfrage gefährliche strategische Lücken auf. 

Als die Volkswagen AG im November 2015 den damaligen Apple-Manager Johann Jungwirth zum Chief Digital Officer (CDO) auf Vorstands-ebene berief, war das für viele Managementexperten noch ein ungewöhnlicher Schritt. Mittlerweile haben einige Konzerne eine derartige Topmanagement-Position geschaffen: unter anderem Allianz, BASF und Merck. Die Manager mit diesen neuen spezialisierten Rollen in den Unternehmensleitungen sollen die Digitalisierungsstrategie, die zuvor unter der direkten Ägide der CEOs erarbeitet wurde, operativ umsetzen und ausweiten.

Unternehmenschefs auf dem Rückzug.
In der Konsequenz ziehen sich die CEOs in vielen Unternehmen aus den Digitalisierungsprojekten zurück. Nur noch acht Prozent von ihnen tragen dafür die Hauptverantwortung; 2016 waren es noch 37 Prozent. Dies ist das Ergebnis der Studie «Digital Value 2018 – der Beitrag der Digitalisierung zur Wertschöpfung», für die die  Unternehmensberatung Horváth & Partners mehr als 200 Topentscheider von Organisationen im deutschsprachigen Raum befragte. Zu mehr als 50 Prozent geben nun die technisch spezialisierten Topmanager wie etwa Chief Information Officer (CIOs) oder CDOs den Takt vor. 

Damit verlagert sich auf dem Gebiet der Digitalisierung der Schwerpunkt der Führung von strategischen Fragestellungen zur operativen Umsetzung der eingeleiteten Projekte aus. Zu den erfolgreichsten zählen die Kostensenkungen und Produktivitätssteigerungen etwa in der Produktion oder der Supply Chain und Logistik sowie – mit 51 Prozent ganz oben – in der IT. In allen Bereichen steht die Umsetzung gesetzter Ziele im Vordergrund. 

Gefahr technikgetriebener Strategie.
Eine so stark ausgeprägte Konzentration auf das operative Management ist nach Meinung von Michael Kieninger, Sprecher des Vorstands der Unternehmensberatung Horváth & Partners, zwar verständlich, könnte aber zu Problemen führen: «Liegt die Digitalisierung vollständig in der Hand von IT- und Digitalexperten, droht die Gefahr, dass das Unternehmen die Möglichkeiten nur technikgetrieben angeht.» Der erfahrene Managementexperte gibt zu bedenken, dass technische Lösungen immer nur Mittel zum Zweck sein sollten. In erster Linie gehe es darum,  «das Unternehmen insgesamt voranzubringen, etwa durch optimierte Vertriebskanäle, Produktivitätssteigerung, oder Wissensvorsprung.»  

Künftige Wertschöpfungsquellen.
Diese strategischen Ziele aber, die der Erweiterung des Marktfelds dienen, verfolgen nur wenige Organisationen. Nur 32 Prozent der Befragten beispielsweise haben bereits Projekte für neue digitale Produkte umgesetzt; bei Vorhaben auf dem Gebiet der kundenindividuellen Massenproduktion («Mass Customization») ist es sogar nur ein Fünftel. 

Dabei gelten gerade diese Bereiche unter den Entscheidern als äußerst wichtig: 51 Prozent sehen in beiden die langfristig größten Beitragsgeber zur künftigen betriebswirtschaftlichen Wertschöpfung. Bei der «Mass Customization» etwa werden auf der Grundlage einer Basispalette Waren und Dienste in einer solchen Fülle von Kombinationen angeboten, dass es theoretisch fast jedem Kunden möglich ist, ein seinen Wünschen entsprechendes, individuelles Angebot zu erhalten – ohne dass der Anbieter dabei auf die Kostenvorteile einer prozessorientierten Massenfertigung verzichten muss.

Das teilweise Fehlen wirklich entschlossener Schritte in die digitale Zukunft hat Konsequenzen: Wie die Horváth-Studie zeigt, spürten bislang nur 52 Prozent der Unternehmen erste Umsatzsteigerungen durch die Digitalisierung. Immerhin erwarten für die Zukunft 60 Prozent der Befragten auf diesem Gebiet die meisten Impulse – vor allem in den Branchen Konsumgüter sowie Chemie/Öl/Pharma. Als weitere hoch eingeschätzte Vorteile der künftigen Digitalisierung der Organisationen werden Produktivitätsgewinne und die Kostenreduktion genannt. 

Fehlender Wille zum Kulturwandel.
Trotz der vielen Vorteile der Digitalisierung fällt den meisten Unternehmen ein echter Neuanfang indes noch schwer. So erwarten nur 29 Prozent der Befragten, dass künftig komplett neue Geschäftsmodelle auf der Basis der digitalen Möglichkeiten entwickelt werden und sich dadurch zusätzliche Kunden und Märkte erschließen lassen. Besonders reserviert zeigen sich bei diesem Punkt  die industriellen Kernbranchen Auto/Industriegüter/Hightech mit 23 Prozent.  

Offensichtlich fehlt in vielen Organisationen die Bereitschaft, sich auf einen Kulturwandel einzulassen und nachhaltig agile Strukturen zu etablieren. Doch das ist allein schon deshalb nötig, damit sich die hohen Umsatzerwartungen erfüllen. «Wenn die Unternehmen ihre Hoffnungen auf relevante Umsatzsteigerungen wahrmachen wollen, müssen sie sich von den Regeln bestehender Geschäftsmodelle gedanklich lösen und völlig neu denken», unterstreicht Rainer Zierhofer, Partner bei Horváth & Partners und Leiter des Beratungsbereichs IT Management & Transformation, den dringend nötigen Neuanfang.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Druckausgabe Nr. 2/2018. Hier bestellen.

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net

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