Veränderungswille

Digitalisierung & New Work.

Wie können Unternehmen angesichts der Digitalisierung und des Fachkräftemangels ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern? Es braucht einen radikalen Kulturwandel, sagt Thomas M. Fischer.

Ein buntes Bällchenbad à la IKEA während eines Projektseminars? Solcherlei Spieleinlagen gelten in heutigen Workshops als akzeptiert, weil sie die Arbeitsatmosphäre auflockern und die Kreativität fördern. 

Bei den «Breed Weeks» der Düsseldorfer Managementberatung Allfoye zum Beispiel sind sie ein fester Bestandteil des Programms. Für die Dauer einer Woche lösen sich die Teilnehmer bewusst von den Regeln, Strukturen und Prozesse in ihrer Organisation; nur das Projektziel ist vorgegeben. «Weil in diesem Rahmen alle Denkschranken und bekannten Arbeitsmuster wegfallen, entstehen ungeahnte Potentiale», sagt Allfoye-CEO Thomas M. Fischer.

Der Experte berichtet vom ungewöhnlichen Erfolg des neuen Beratungsansatzes bei der Arbeit mit Unternehmen wie etwa der KfW-Bank oder der Prym Group, dem ältesten industriellen Familienunternehmen in Deutschland: «Wenn die Chefs, die während der Woche nicht dabei waren, am Freitag die Pitchs ihrer Leute hören, sind sie angesichts der überraschenden Lösungsvorschläge oft regelrecht aus dem Häuschen – und später gibt es einen kräftigen Schub im normalen Berufsalltag.»

Derart unkonventionelle Innovationsworkshops sind das Salz in der Suppe für Unternehmen im digitalen Zeitalter. Denn wegen der zunehmenden Geschwindigkeit in der Wirtschaft, der immer häufigeren Veränderungen und unerwarteten Ereignisse müssen die Organisationen flexibler und offener werden. 

Die Erfolgsformel in diesem dynamischen Umfeld heißt New Work: Agile, permanent lernende Organisationen mit flachen Hierarchien erfinden sich regelmäßig neu und können so auf Herausforderungen angemessener reagieren. 

Die dafür eingesetzten digitalen Mittel umfassen Technologien wie etwa Business Analytics, Robotics oder Künstliche Intelligenz (KI). Gleichzeitig aber müssen agilere Formen der Zusammenarbeit geschaffen und bestehende organisatorische Silos aufgebrochen werden. «Dabei helfen zum Beispiel dynamische Projektmethoden wie etwa Scrum oder Design Thinking», betont Fischer. 

 

Mehr Trainer und Coach sein.
Entscheidend sind nach seiner Meinung eine neue Unternehmenskultur und ein modernes Führungsverständnis: «Dabei nehmen die Entscheidungsträger gegenüber den Mitarbeitern eher die Rolle als Trainer oder Coach ein – und stellen nicht mehr die formelle Funktion als Vorgesetzte in den Vordergrund.»  

Den kulturellen Aspekt fasst der Fachmann unter dem Terminus «Haltung» zusammen und umreißt den nötigen neuen Mechanismus so: «Um die besten Köpfe als Mitarbeiter zu gewinnen und die eigene Organisation wirklich in Schwung zu bringen, gilt es, eine Kultur der Neugier, des Muts, der Vernetzung, der Freude an der Arbeit zu schaffen – und die Hierarchien auf das Nötigste zu begrenzen.»

Dass viele Unternehmen hierarchie-übergreifend die weniger formelle Ansprache des «Du» einführen und das Tragen von Krawatten abschaffen, reicht allerdings nicht aus. «Diese nützlichen Attribute bleiben leere Hülsen, wenn sie nicht mit einer radikal neuen Unternehmenskultur einhergehen», so Fischer. 

Auf diesem Gebiet arbeitet unter anderem das European Institute for Leadership and Transformation – besonders stark am Thema «agiles Mindset». Dies ist ein Feld, auf dem unter den Unternehmen zum Beispiel Daimler viel investiert: CEO Dieter Zetsche, der gern Jeans und Sneakers trägt, modernisierte die Organisationsstrukturen etwa durch inspirierende Digital-Life-Days für die Mitarbeiter oder hierarchiefreie, nach der Schwarmintelligenzlogik organisierte Arbeitsplätze.   

Das Erfolgsbeispiel Daimler zeigt auch, dass New Work nicht damit zu tun hat, dass die Manager etwa die Zügel einfach locker lassen. Im Gegenteil: Alle Mitarbeiter in den modernen agilen Organisationen müssen besonders hart arbeiten und sich ständig weiterbilden, weil sie sich angesichts des digitalen Veränderungstempos permanent auf völlig neue Herausforderungen einstellen müssen. 

Und dafür braucht es Menschen, die eigenständiger, unkonventioneller denken und handeln. Fischer formuliert diese Anforderung so:

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Druckausgabe Nr. 1/2019. Hier bestellen

 

Die fünf Elemente von New Work.

  1. Haltung: Schaffung einer neuen Unternehmenskultur, die Neugier und Innovationsfreude fördert – und Hierarchien auf das Nötigste begrenzt.
  2. Technologie: Nutzung innovativer Bürohelfer wie zum Beispiel Videokonferenzen, virtuelle Assistenten oder Collaboration-Software. 
  3. Strukturelle Form der Zusammenarbeit: Reduzierung der Hierarchien und Aufbrechen organisatorischer Silos. 
  4. Führungsverständnis: Der Leader als Coach, der wie ein moderner Fußballtrainer nicht mehr «im» System der Mannschaft, sondern «am» System arbeitet. 
  5. Methoden: Einsatz dynamischer, iterativer Verfahren wie zum Beispiel Scrum.

Quelle: allfoye Managementberatung

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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