Verantwortung

Führung und Verantwortung.

Wer die Gipfel des Mount Everest und des benachbarten Lhotse innerhalb von 24 Stunden erklimmt, es mit gebrochenem Bein auf den Kilimandscharo schafft und vom Cho Oyu im Tibet, dem sechsthöchsten Berg der Welt, auf Skiern ohne Sauerstoffmaske hinabgleitet, der kennt den schmalen Grat zwischen Erfolg und Scheitern, Leben und Tod. Die 41jährige Extrembergsteigerin und Heliskifahrerin Hilaree O’Neill gewährte auf dem Weltwirtschaftsforum Einblick in das, was sie seit 25 Jahren antreibt. Unter dem Motto «Finding Fortune in Failure» formulierte sie drei Thesen: Erstens bewahren uns Fehler vor übermäßiger Perfektion; zweitens konfrontieren sie uns mit der Sterblichkeit, was uns Dankbarkeit am Leben lehrt – «die Basis für wahre Freude»; drittens machen Fehler Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und etwas Neues, Unbekanntes auszuprobieren. «So entstehen Charakter und Einfühlungsvermögen», betonte O’Neill. Sehr offen schilderte sie ihre inneren psychischen Prozesse als Anführerin in Extremsituationen: So kämpfte sie fast zwei Jahre mit Schlaflosigkeit und Schuldgefühlen, weil eine Frau in ihrer Heliskiing-Lerngruppe trotz größter Vorsichtsmaßnahmen vor ihren Augen in einem reißenden Fluss ertrank. Ihr Projekt der Besteigung des Hkakabo Razi in Myanmar zu sechst, das sie jahrelang sorgfältig geplant hatte, scheiterte kurz vor dem Gipfel – nach 1’000 Meilen Backpacking-Anreise und 150 Meilen Fußmarschs durch den Dschungel bis zum Basislager. «Wir scheiterten auch als Team, das war das Schlimmste», sagte O’Neill. Sie erkrankte an PTSD. Doch sie stand wieder auf. Und plant neue Projekte – mit ihren zwei Söhnen. Die Zeiten in den Todeszonen stärkten ihren Hunger nach Leben.

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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