Zwischenruf

Homo digitalis.

Digitale Strategien machen Unternehmen vom Gejagten zum Jäger. Sie verschmelzen Business und IT. Doch sie sind nur dann erfolgreich, wenn sie von den Menschen im Unternehmen verstanden und mitgestaltet werden.

* Von Martin Luckow

Die Digitalisierung steht auf der Agenda von Führungskräften weiterhin zuoberst. Dennoch verfügen, je nach Branche, bis zu 50 Prozent der Unternehmen noch nicht über eine digitale Strategie. Noch mehr haben Schwierigkeiten damit, eine solche auch umzusetzen.

Die Herausforderungen beginnen damit, dass oftmals gar nicht klar ist, worum es sich bei einer digitalen Strategie eigentlich handelt. So wird diese häufig als eine Art IT-Strategie missverstanden. Dies ist ein Trugschluss, denn die Digitalisierung betrifft in allererster Linie das Business – die Informationstechnik ist dabei «nur» Mittel zum Zweck. 

 

Der Unterschied zwischen digitaler und IT-Strategie.
Während eine IT-Strategie die Lösungen der Technologie für die Anforderungen des Business liefert, hat eine digitale Strategie die Antworten des Business auf die Digitalisierung – und ist somit eher den Geschäftsstrategien zuzuordnen. Es ist davon auszugehen, dass digitale Strategien, Geschäftsstrategien und IT-Strategien in Zukunft immer stärker verschmelzen werden, da dereinst wohl kaum ein Business nicht digital sein wird. 

Eine digitale Strategie bildet also ab, wie sich ein Unternehmen im Kontext der Digitalisierung verhalten soll. Sie dient gewissermaßen als Kompass auf dem Weg in die digitale Zukunft. Digitalisierung bedeutet in diesem Fall nichts anderes als die vollständige Ausrichtung eines Unternehmens auf den digitalen Kunden –  natürlich unter massivem Einsatz neuer Technologien. 

Dabei reicht es keineswegs, wenn diese Neupositionierung nur von Teilen des Unternehmens getragen wird: Das gesamte Unternehmen muss mitziehen – und das umfasst alle Menschen, die in einer Organisation tätig sind.

 

Die Kunst der «One Page Strategy».
Folglich muss eine digitale Strategie, will sie wirklich erfolgreich sein, zunächst von den Mitarbeitern eines Unternehmens verstanden werden. Sie soll vor allem eine Antwort auf die Frage geben, was genau das Unternehmen auf dem Gebiet der Digitalisierung erreichen möchte. Hierfür lohnt es sich, die wesentlichen Inhalte auf eine A4-Seite herunterzubrechen. Eine so gestaltete digitale Strategie kann gut als Poster, Handout oder Screensaver in der gesamten Organisation in Umlauf gebracht werden. Dann läuft sie im Vergleich zu einem 400-seitigen Paper auch weniger Gefahr, in einer Schublade zu verstauben und an den Mitarbeitenden «vorbeizugehen».

Neben diesem Buy-in der Mitarbeitenden ist es wichtig, dass eine digitale Strategie nicht schwergewichtig ist: Sie muss im Kern ihre eigene Änderbarkeit bereits in sich tragen. Denn Digitalisierung bedeutet zu großen Teilen immer noch Neuland und verweigert sich der Festlegung von Standards oder Regeln. 

So können wir zum Beispiel von vornherein gar nicht wissen, was die neuen Technologien alles zu leisten vermögen, in welchen Anwendungsbereichen sie Mehrwerte schaffen, wo sie sich als sinnlos erweisen oder welche disruptiven Technologien und Geschäftsmodelle künftig auftauchen werden. Deshalb muss eine digitale Strategie Überraschungen einkalkulieren. 

 

Innovation, Agilität und Einsatz von IT.
Die Änderbarkeit beinhaltet auch, dass eine digitale Strategie Innovation ermöglicht: Sie muss alle Menschen in einer Organisation dazu ermächtigen, digital zu denken und zu handeln – und Wege zu finden, um Geschäftsprozesse und Dienstleistungen in die neue Welt zu transformieren. Eine nachhaltige Ausrichtung auf den digitalen Kunden gelingt letztlich nur, wenn sie ihm in seinen Verhaltensweisen folgt. Hierfür braucht es aufseiten der Mitarbeiter natürlich ein Interesse an digitalen Kanälen (denn diese sind der Weg zum Kunden) und im Unternehmen – insbesondere der IT – agile Organisationsformen und -vorgehensweisen. 

Diese Agilität muss von der digitalen Strategie einerseits eingefordert und andererseits ermöglicht werden.  

 

* Martin Luckow ist Senior Solution Manager Application Development bei Trivadis.

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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