BIM 03|2018

Editorial

Aktuelle Ausgabe
Wolf K. Müller Scholz, Herausgeber

Andersdenken.

Wenn Manager sich zu sehr dem Mainstream anpassen, nehmen sie ihrer Organisation die Kraft für Innovation. Erfolg braucht auch Unkonvention.

Wieso müssen die Menschen einen herrlichen Pulverschneehang immer nur mit geradeaus gleitenden Skiern hinabfahren? Das fragten sich in den 1970er Jahren einige US-Surfer. Drei von ihnen – Jake Burton, Tom Sims und Dimitrije Milovich – entwickelten unabhängig voneinander die ersten Snowboards. In den 1980er Jahren auf den meisten Skipisten noch verboten, wurde die Beherrschung der coolen Gefährte 1998 eine olympische Disziplin. Heute stehlen sie den klassischen Brettern die Schau und sind mit ständig neuen Varianten, wie etwa «Hybridrockern» oder «TBTs», ein dynamisch wachsendes Geschäft.

Derartig disruptive und bahnbrechende Erfindungen entstehen aus dem «Anderssein» und dem «Andersdenken». Essentiell sind das Brechen mit Konventionen und das Verlassen gewohnter Bahnen. Zu den daraus entstehenden Innovationen zählen neben dem Snowboard auch das Automobil und das Smartphone, der E-Commerce oder die No-Frills-Flugangebote. Um auf dem Markt erfolgreich zu sein, benötigt jede Innovation ihren Mitspieler: das «Bessersein», getrieben von Fleiß und Disziplin. 

Dieses Zusammenwirken von «Anderssein» und «Bessersein» – im Sinne eines Yin und Yang – zählt zu den zentralen Grundlagen unternehmerischen Erfolgs. Die Kunst ist es, beide Faktoren differenziert zu managen. Auf diese Führungsaufgabe weist auch der renommierte Strategieberater Oliver Greiner in seinem Buch «Touch Down!» treffend hin. 

Die großen «Wows» sind rar geworden.
Freilich hakt es in dieser Wechselbeziehung: Denn der seit fast zehn Jahren andauernde Wirtschaftsaufschwung nährt sich aus grundlegenden Veränderungen, deren Wurzeln schon vor zehn bis 20 Jahren gelegt wurden: technologische Innovationen wie etwa E-Commerce, Just-in-Time oder Sensorik einerseits, gesellschaftliche Umbrüche wie Social Media, Homeoffices oder die «Agenda 2010» andererseits. Die Muster sind allseits bekannt. Der Mainstream ist satt; er will weder «anders» noch «besser» sein. Die Börse, die Technik, die Märkte – alles läuft in scheinbar sicheren Bahnen.  

Scheinbar. Denn die Hausse neigt sich dem Ende entgegen. Und in den kommenden, eher harten Zeiten werden sich diejenigen Unternehmen durchsetzen, die innovative, «andere» Produkte zu verkaufen haben und sie «besser» an den Mann bringen. Von beidem sind sogar große Innovatoren wie etwa Apple, Facebook oder Ryanair mittlerweile weit entfernt: Sie optimieren und entwickeln zwar fleißig; es fehlen jedoch die großen «Wows», die Umsatz und Gewinn hochjagen – die Märkte mitreißen. Die jüngsten Konflikte mit Kunden über die Datennutzung (Facebook) oder Mitarbeitern über Arbeitsbedingungen (Ryanair) binden wertvolle Energie, die für die Weiterentwicklung gebraucht wird. Und Apples Erfindergeist ist seit dem Tod des genialen Steve Jobs gedämpft.

Innovationswille und Wertschöpfung mit Produkten.
Derweil drängen frische innovative Kräfte ans Licht. Sie graben den Etablierten das Wasser ab: bei den Banken etwa die Fintechs; bei den Fahrzeugbauern die neue E-Autoindustrie aus China und den USA. Zwar läuft dort, wie die Tesla-Krise zeigt, nicht stets alles rund. Doch richten sich die Emporkömmlinge immer wieder auf, haben eisernen Innovationswillen – Eigenschaften, die bei vielen Unternehmen in den fetten Jahren teils verloren gingen.

Indessen zeigen auch die Platzhirsche Lebenszeichen: So wählte Daimler-CEO Dieter Zetsche gemeinsam mit dem Aufsichtsrat den eher unkonventionellen Schweden Ola Källenius (derzeit Konzernforschungsleiter und Entwicklungschef bei Mercedes-Benz Cars) zu seinem Nachfolger aus. Damit setzte die Führung ein Zeichen gegen eine verbreitete Tendenz: Wertschöpfung vor allem durch Holding- und Finanzkonstruktionen erreichen zu wollen – und nicht in erster Linie mittels Innovation. 

Wie neuartige Technologien – etwa Prescriptive Analytics, Autonomous Agents oder Data Lakes – Organisationen unterstützen können, lesen Sie in dieser Ausgabe. Ich hoffe, Sie finden wertvolle Anregungen – und Mut zum «Andersdenken».

Wolf K. Müller Scholz

Trends

Data Lakes

Interview mit Professor Peter Gluchowski über die Chancen dieser innovativen Technologie lesen...

TU Chemnitz

Die beste Hochschule für Business Intelligence – mit sehr vielen ausländischen Studenten lesen...

Homo digitalis

Trivadis-Experte Martin Luckow über den wirtschaftlichen Nutzen einer «One Page Strategy» lesen...

Karosseriebau

Warum die Autoindustrie neben denComputersimulationen auch Modelle aus Ton einsetzt

CEO-Auswahl

Inwiefern die Auswahl des künftigen Daimler-Chefs ein Signal für andere Unternehmen ist lesen...

Meldungen I

Innovationsmaschine China/Digitalzwerg Europa/Predictive Maintenance-Boom/CDO-Kompass

Mobiles Bezahlen

Warum sich der Online-Finanzdienst Paypal so schwer mit einem disruptiven Konzept tut

Meldungen II

Wieso das klassische IT-Management ausgedient hat/Time-to-Market und Vertrauen

Best Practice

Avis Budget

Wie der Autovermieter mittels Business Analytics die Qualität der Managemententscheide anhebt lesen...

Volkswagen

Wie der Autobauer in der Slowakei mit der Data Lake-Technik die Automatisierung vorantreibt lesen...

Henkel

Wie der Konsumgüterhersteller mithilfe einer Smart-Home-Technik die Fertigungseffizienz erhöht

Titelthema: Automation

Robotics-Studie

Die vier Stufen der intelligenten Prozessautomation – und wo die Unternehmen stehen lesen...

Das 25-Prozent-Ziel

Robotics-Fachmann Sebastian Ostrowicz über die Perspektiven der Geschäftsprozesse

Chatbots

Warum die virtuellen Assistenten ihr Potential noch längst nicht ausgeschöpft haben

Mittelstand

Kleine und mittlere Unternehmen habenbei der Digitalisierung noch großen Nachholbedarf lesen...

Internet of Things

Windpark- und Verkehrsprojekte zeigen, wie Analytics erfolgreich integriert wird

Management

Information Supply Chain

Welche Wettbewerbsvorteile  ein klar definiertes System der Datenversorgung bringt lesen...

Business Analytics

Warum sich ein frühzeitiges Stellen der Effizienz- und Effektivitätshebel vielfach auszahlt lesen...

Cloud

Wie sich die von außen bezogenen Datendienste in den Bereichen Controlling und Planung rechnen lesen...

Licence to kill

Frank Hendricks über die zunehmende Beschneidung von Nutzerrechten in der Software-Branche lesen...

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