BIM 03|2019

Editorial

Aktuelle Ausgabe
Wolf K. Müller Scholz, Chefredaktion

Naturgesetz.

Nichts kann in einer digital geprägten Ökonomie so bleiben, wie es war. Permanente Umwälzungen sind die Regel. Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben – und sie einplanen.

Die Pusteblume ist das Analogon der Natur zur digitalen Wirtschaft: Unzählige Elemente bilden eine komplexe, feingliedrig geordnete und perfekt funktionierende Struktur – gemeinsam, für eine gewisse Zeit. Beim geringsten Hauch aber – des Winds bei den weißen Federkelchen, der Märkte und Kunden in der Digitalwelt – können sie davonstieben, woanders landen.

Diese ständige Transformation, die sich in beiden Fällen mit einer besonderen Leichtigkeit vollzieht, bannt die Menschen: bei den feinen Pappusspitzen vor allem die Herzen der Kinder und derer, die um Gestorbene trauern; in der digitalen Wirtschaft diejenigen der Entrepreneure, Käufer und Programmierer. Denn fortwährend entstehen neue Räume und Chancen: für Fantasie, Hoffnung und ein anderes Leben ebenso wie für besseres Geschäft, innovative und günstigere Produkte sowie coole Jobs.

Anders als bei statischen Dingen und Zusammenhängen sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt: Bei den Pusteblumensamen beeindrucken die erst jüngst entdeckten herausragenden Flugeigenschaften der Härchenfilamente, die dank hochstabiler Luftwirbel ohne zusätzliche Energiezufuhr fast unbegrenzt fliegen können. In der digitalen Wirklichkeit eröffnen immer stärkere Mikrochips, ständig verbesserte Software und die fortwährende Erweiterung der Netzwerke jeden Tag neue Horizonte.

Siemens, BASF, SBB & Co. beim «Value Lever Hunting». 
Unternehmen müssen lernen, in diesem permanenten Wandel zu planen und zu agieren. Krisensituationen sind ein guter Anlass. Es gilt, die Chancen zu ergreifen, wenn alte Märkte zerfallen und die analytischen Tools oder Methoden, die Wettbewerber womöglich bislang nicht nutzen, entschlossen einzusetzen.   

In dieser Ausgabe des BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE finden Sie Beispiele dafür, wie Organisationen mit Ideen und innovativen Lösungen reagieren: Siemens, BASF oder Klöckner genauso wie SBB und die Deutsche Bahn, der Wissenschaftsverlag Karger in Basel oder das Parkhotel Stuttgart. 

 Der springende Punkt aller Initiativen ist die systematische Suche nach neuen Wertschöpfungspotentialen, ein – wie es der Transformationsexperte Rainer M. Zierhofer im Interview formuliert – gezieltes «Value Lever Hunting» (Seite 26). Bei einer solchen Suche könnte allerdings der so beliebte automatisierte Einsatz von Algorithmen manchmal nicht ausreichen: Besser ist es, ihn in Optimierungsverfahren einzubetten. Darauf weist der Mathematiker Oliver Bastert im Interview ab Seite 32 hin.  

Wie auch immer die Analysen gestaltet werden: Wichtig ist, dass sie es ermöglichen, alle nur denkbaren Zukunftsszenarien durchzuspielen – unter Einbeziehung makroökonomischer, politischer und soziokultureller Faktoren. Dazu zählen:

die tektonischen gesellschaftlichen Umwälzungen (inklusive Bevölkerungswandels, sozialer Konflikte und Verteilungskämpfe) aufgrund demografischer Verschiebungen: erstens des Verfalls der klassischen Alterspyramide; zweitens der strukturellen Massenmigration vom Land in die Städte sowie von verarmten oder gar entwurzelten Ländern in die europäischen Wohlfahrtsstaaten;

das mehr oder minder langsame Auseinanderbrechen der EU, das bereits in Gestalt eines eigenen Wegs der osteuropäischen Visegrad-Staaten, des Brexits und der wieder eingeführten Grenzkontrollen skandinavischer Mitgliedsländer greifbar ist;

der damit einhergehende tendenzielle Wertverfall des Euros gegenüber Konkurrenzwährungen – verstärkt durch den unbegrenzten «Geldsegen» der Europäischen Zentralbank;

ein sich zuspitzender Kampf um die Welthegemonie zwischen den USA und China, der weit über den gegenwärtigen Handelskrieg zwischen diesen Supermächten hinausgeht. Ein schwaches, zersplittertes Europa kann als gestaltender Faktor keine nennenswerte Rolle mehr spielen; umso mehr aber lockt es als ein höchst attraktiver Absatzmarkt. 

Auf derartige Veränderungen müssen Unternehmen vorbereitet werden. Dafür wünsche Ihnen eine sichere Hand.

Wolf K. Müller Scholz, Chefredaktion

Trends

Rangliste

Die besten Städte für die Generation Z

Hype-Cycle Künstliche Intelligenz

Enttäuschungen möglich bei Robotik und Maschinellem Lernen Lesen...

Meldungen I

KI-Integration/Disruptionsunlust

Verhandlungstechnik

Die Integration innovativer Technologien ist immer noch die Ausnahme

Meldungen II

Data Warehousing und Sensorik für Tierschutz/Quantencomputer/Chatbots/Banken

Meldungen III

Führungskompetenzen/CEO-Profile/Kosten von Fehlentscheiden/Blockchain im Energiesektor

Best Practice

Douglas

Wie der Beauty-Konzern Kundenkarten und Data Warehousing zu effektivem Marketing verbindet lesen...

Deutsche Bahn

Wie der Verkehrsriese durch Business Analytics im Bahnhofsmanagement Boden gut macht lesen...

Immobilienbranche

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BASF

Wie der Chemiegigant seine Lieferkette mithilfe mathematischer Optimierungsmodelle rentabel hält

Titelthema: Digital planen und steuern

Neue digitale Ordnung

Der unverkrampfte Einsatz Künstlicher Intelligenz in Ostasien und Europas Skepsis

Studie Digitalisierung

Welche Branchen beim Umbau der Organisationen Gas geben und welche nicht

Interview I

Transformationsexperte Rainer M. Zierhofer über die notwendige Suche nach Wertschöpfungshebeln lesen...

Medizin

Wie sich der Basler Wissenschaftsverlag Karger zu einer digitalen Drehscheibe entwickelt lesen...

Gastronomie

Warum das Parkhotel Stuttgart die Arbeitsorganisation in der Küche digitalisiert

Interview II

Der Mathematiker Oliver Bastert über die Methoden zur Erkennung von Geschäftschancen lesen...

E-Commerce

Wie der Stahlhändler Klöckner & Co. mit digitalen Marktplätzen seine Erträge steigern will

FTE-Kalkulation

Wie viele Jobs die Digitalisierung bei der Schweizer SBB vernichtet und wie viele neu entstehen

Management

Siemens

Wie der Konzern seine Prognosen mittels  Predictive Analytics-Methoden verfeinert lesen... 

Planungsmethoden

Wieso die meisten Unternehmen mit dem Gegenstromverfahren arbeiten lesen...

Supply Chain Management

Warum Manager ihre Organisationen nach dem VUCA-Prinzip führen sollten lesen...

Enkeltrick 4.0

Frank Hendricks über die fatalen Folgen von Gier und Gutgläubigkeit im Onlinehandel lesen...

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