Interview

Kritik an ineffektiver Planung.

Die Planung vieler Unternehmen muss agiler werden. Professor Andreas Krüger erklärt im Interview, weshalb Budgetierung und Zielsetzungsprozesse gesondert und IT-Tools sparsam einzusetzen sind.

BIM: Die Wirtschaft wird immer volatiler, Prognosen sind schwieriger. Wie muss sich die Planung anpassen?

Krüger: Sie muss agiler werden. Dies fordern Topmanager in der Regel auch ein, aber der starre organisatorische Rahmen zum Beispiel bei Budgets bleibt oft gleich.

BIM: Wo genau liegen hier die Fehler?
Krüger: Die klassischen Budgetierungsprozesse etwa werden häufig auch für die Zielvereinbarung von Führungskräften oder Organisationseinheiten verwendet. Sie sind aber dafür denkbar ungeeignet, weil sie zu diversem Fehlverhalten führen.

BIM: Zum Beispiel?
Krüger: Das Budgetpoker. Es hat nicht viel mit einer realistischen Voraussage der zukünftigen Entwicklung zu tun, sondern damit, wer im Unternehmen am bes-ten verhandeln kann, wer seine Ziele im internen Verhandlungsprozess durchsetzt. Wenn eine Unternehmensleitung glaubt, dass so zustande gekommene Verhandlungsergebnisse ein realistisches Bild vom Ende des nächsten Geschäftsjahrs ergeben, dann ist das zu hinterfragen.     

BIM: Aber es gibt doch die vielen neuen, leistungsstarken Planungstools?
Krüger: Viele Unternehmen planen mit diesen  immer detaillierter und feingranularer. Sie glauben, so das Risiko schon irgendwie reduzieren und die Planungsgenauigkeit erhöhen zu können. Aber damit begünstigen sie unerwünschte Nebeneffekte: noch komplexere Strukturen.

BIM: Was tun?
Krüger: Weil diese zunehmende Komplexität der Systeme das agile, flexible Handeln behindert, sollten die Unternehmen in der Planung eher verschlanken und sich auf die wichtigen Werttreiber konzentrieren. Das machen derzeit nur wenige.

BIM: Reicht denn nicht eine Modifizierung bestimmter Planungselemente?  
Krüger: Das kommt auf den Einzelfall an. Zunächst muss sich das Management darüber Gedanken machen, wie effektiv und effizient die Planung im Unternehmen de facto ist. Wenn ich heute schon eine effektive Planung habe, die die Ziele erreicht, dann mögen geringfügige Anpassungen in der Form von Effizienzverbesserungen durch ein neues Tool ausreichen. Aber wenn die Planung noch nicht ausreichend effektiv ist, dann muss ich mir grundsätzlichere Gedanken darüber machen, was ich mit der Planung überhaupt will und fragen: Was soll unsere Planung bewirken? Wozu machen wir das alles? Und dann muss ich überlegen, mit welchen Prozessen ich das mit geringem Aufwand, also möglichst effizient erreichen kann.

BIM: Warum so weit ausholen?  
Krüger: Um das gerade im Planungsbereich verbreitete Missverständnis bezüglich Effektivität und Effizienz zu durchbrechen. Ein Tool soll meist primär dabei helfen, dass ich eine Planung mit weniger Aufwand realisiere, also bestimmte Planungsprozesse automatisiere. Es kann aber auch dazu führen, dass ich einen von Grund auf falsch konzipierten, an sich ineffektiven Prozess zusätzlich verstärke.

BIM: Software kann den negativen Effekt ineffektiver Systeme verstärken?
Krüger: Auf jeden Fall wird sie den Wert der Plandaten, die dabei herauskommen, nicht zwangsläufig erhöhen.

BIM: Und wie lässt er sich erhöhen?
Krüger: Das Management muss sich zunächst klar darüber werden, was die einzelnen Planungsaktivitäten bringen sollen, ... Den ganzen Artikel lesen Sie in der Druckausgabe 2|2017. Hier bestellen.  

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
© ProfilePublishing Germany GmbH 2017. Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der ProfilePublishing Germany GmbH

Business Intelligence Magazine: Springe zum Start der Seite