Verantwortung

Manager und Gesellschaft.

Reichen wirtschaftliche Maßstäbe wie das BIP oder der Gewinn noch, um zu steuern? Angesichts sozialer Entkopplungen und des daraus resultierenden politischen Populismus bezweifeln dies einige Wirtschaftsleader. Sie erwägen neue Ansätze.

Ein Zirkel internationaler Topmanager beschäftigt sich mit dem wachsenden Problem der gesellschaftlichen Desintegration: Immer mehr Menschen fühlen sich von der Politik alleingelassen, ausgeschlossen von den ökonomischen Entwicklungen. Der Populismus gewinnt an Gewicht, wie das Beispiel der USA zeigt. Auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos tauschten sich die Mitglieder aus.

Eine treibende Kraft ist Inga Beale, seit 2014 CEO von Lloyd’s of London, dem ältesten Versicherer der Welt. Im Interview mit CNBC lenkte sie den Blick auf die 2016 gescheiterte Anti-Brexit-Kampagne. «Als Business-Leader argumentierten wir mit dem BIP. Wir beachteten nicht, dass die meisten Menschen überhaupt nicht wissen, was das ist – und es interessiert sie auch nicht. Sie haben ein klares Gefühl dafür, dass sie nicht in der Gesellschaft integriert sind.»

Weil Lloyd’s als Versicherer, so Beale, den Blick stärker als andere Unternehmen über den Tellerrand hinaus richte, beobachten die Konzernanalysten, dass sich in den westlichen Industrieländern immer mehr Menschen ausgegrenzt fühlen und das Establishment nach dem Motto herausfordern: «Ihr hört mich nicht; Ihr respektiert mich nicht; ich bin nicht integriert.» Wenn diese Menschen Aussagen über das BIP hörten, fühlten sie sich ausgeschlossen. «Es gibt ein Misstrauen gegenüber Regierungen und gewissen Medien, das sich nun sogar auf Social Media ausdehnt», so Beale, «die Menschen wissen nicht mehr, wem sie noch trauen können.»

Angesichts des riesigen Ausmaßes an Misstrauen gegen den Status quo, besonders gegen das Big Business, sollten die ökonomischen Leader der Welt zusätzliche  Maßstäbe für wirtschaftlichen Erfolg entwickeln. Lloyd’s-Chefin Beale ist sich sicher: «Wir müssen andere Mechanismen finden, um größere Teile der Bevölkerung zu integrieren – und andere Metriken nutzen, um den ökonomischen Erfolg eines Landes zu messen.

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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