Interview

Mathematische Optimierung

Mittels Prescriptive Analytics können Unternehmen ermitteln, welche Maßnahmen nötig sind, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Optimierungsverfahren eignen sich dafür besser als Standardsoftware, sagt der Mathematiker Oliver Bastert. 

BIM: Was bringt Prescriptive Analytics in der täglichen Betriebspraxis?
Bastert: Ihr Einsatz hilft Managern, die Planungs- und Geschäftsprozesse zu verbessern. Mathematische Optimierungsverfahren sind dabei besonders effektiv: Die Einsparungen und Produktivitätsgewinne pro Projekt liegen meist im zweistelligen Prozentbereich; bei großen Unternehmen kann das 100 Millionen Euro ausmachen.

BIM: Wie stark werden diese Analysemethoden genutzt?
Bastert: Laut Marktstudien setzen erst rund 10 bis 15 Prozent der Unternehmen Optimierungslösungen ein. Denn zahlreiche Entscheidungsträger tun sich schwer damit, gewohnte Abläufe aufzugeben.

BIM: Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Minderheit der Unternehmen, die Prescriptive Analytics und Optimierungslösungen bereits einsetzen, einen klaren Wettbewerbsvorteil haben?
Bastert: Ja, zum Beispiel können die Lieferketten in der chemischen Industrie besser geplant werden. Neben dem reinen Effizienzgewinn kann auf der Produktebene geklärt werden, wo genau die Kosten der Herstellung von Produkten herkommen. In allen betriebswirtschaftlichen Bereichen lassen sich die Faktoren mathematisch modellieren und optimieren.

BIM: Reicht der Einsatz auch über die Lieferketten hinaus?
Bastert: Natürlich, sinnvoll ist er etwa auch für die Preiskalkulation unter der Berücksichtigung des Markts.

BIM: Das sollten gestandene Unternehmen eigentlich auch ohne komplizierte Mathematik im Griff haben, oder?
Bastert: Viele tun sich meist schwer damit. Selbst wenn sich zum Beispiel die Daten, die für die Kalkulation benötigt werden, in einem klassischen ERP-System befinden, ist es immer noch schwer möglich, die zugrundeliegenden Zusammenhänge klar zu erkennen.

BIM: Es geht also um tieferreichende analytische Modelle, die mehr betriebswirtschaftliche Transparenz schaffen?
Bastert: Absolut, das ist der Kern jedes Optimierungsprojekts. In unseren Discovery Workshops beobachten wir, wie selbst erfahrene Manager und Experten eines Unternehmens plötzlich über Dinge diskutieren, die im Grunde klar schienen – zum Beispiel darüber, wie groß eigentlich die Kapazität einer bestimmten Maschine ist oder wie genau eine geltende Regel etwa im Flugverkehr umgesetzt wird. Dabei kommen stets überraschend neue, wertvolle Erkenntnisse heraus.

BIM: Ein guter Algorithmus, der automatisch einen Lösungsvorschlag liefert, reicht also nicht aus?
Bastert: Er bringt nicht die gleiche Qualität. Bei einer mathematischen Optimierung hingegen werden sehr spezifische Modelle kreiert, für die vorab alle Faktoren eines Problems genau fixiert werden. Sie werden gemeinsam mit den Fachanwendern entwickelt und an den spezifischen betriebswirtschaftlichen Anforderungen in dem jeweiligen Unternehmen ausgerichtet.

BIM: Der springende Punkt ist also die enge Kooperation zwischen den Mathematikern und den Fachanwendern?
Bastert: Durchaus, denn Standardverfahren – so schnell und automatisiert sie auch laufen – rechnen nur in eine Richtung. In einem individuellen Optimierungsverfahren hingegen kommen oft unbekannte oder unterbewertete Faktoren ans Licht, die neue, weiterführende Lösungen ermöglichen. Auf dieser Basis lassen sich auch bessere What-if-Szenarien rechnen, mit denen sich verborgene Wirkungszusammenhänge erkennen lassen, sei es in der Autoproduktion, im Konsumgüterhandel oder in einem Energienetz.

BIM: Was Managern auch angesichts der unübersichtlichen weltwirtschaftlichen Situation mit Handelskrieg, chaotischem Brexit und konjunktureller Abkühlung helfen könnte?
Bastert: Gerade in diesen Situationen brauchen Entscheider differenzierte Modelle, die alle nur denkbaren Handlungsalternativen auf den Tisch bringen.

BIM: Inwiefern bringt das Behandeln komplexer Zusammenhänge Vorteile?


Den ganzen Artikel lesen Sie in der Digital- und Druckausgabe Nr. 3/2019.  Hier als Einzelartikel oder die Ausgabe Nr. 3/2019 bestellen.
 


Dr. Oliver Bastert leitet das Produktmanagement für Optimierung beim US-Softwareanbieter FICO. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung bei der Lösung praktischer Herausforderungen, vor allem in den Branchen Finanzen, Energie, Transport, Logistik und Petrochemie. Der promovierte Mathematiker begeistert sich unter anderem für Optimierungsalgorithmen und Ansätze zur Vereinfachung mathematischer Modellierung.

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net

© ProfilePublishing Germany GmbH 2019. Alle Rechte vorbehalten. 

Vervielfältigung nur mit Genehmigung der ProfilePublishing Germany GmbH

Business Intelligence Magazine: Springe zum Start der Seite