Corporate Performance Management

Neuzeit vierpunktnull.

Der Druck auf das Berichtswesen steigt: Aufgrund der Vernetzung gibt es immer mehr Daten, die immer kurzfristiger zu liefern sind. Wie es ein Spielzeughersteller künftig schaffen kann, diese Flut zu meistern?

* Von Joachim Teichmann

Das Thema «Industrie 4.0» ist in der Praxis angekommen: in der Form einer intelligenten und flächendeckenden Vernetzung der operativen Systeme in den Unternehmen. Dazu zählt auch das vielzitierte «Internet of Things».
Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung können immer mehr Daten immer schneller zur Verfügung gestellt werden. Dadurch wächst im Topmanagement auch die Erwartungshaltung, die Performance-Berichte auf Anforderung häufiger und in kürzester Zeit zu erhalten.

Wie wird vor diesem Hintergrund das Berichtswesen in Zukunft aussehen? Wie wird es umgesetzt? Und welche Auswirkungen haben die völlig neuen Möglichkeiten auf die Unternehmensplanung?

Zukunftsszenario 2020.
Begeben Sie sich mit uns in das Jahr 2020 und lassen Sie uns den Blick auf das fiktive Unternehmen Spielgut AG richten. Gemeinsam mit dem Controller und dem Finanzvorstand schauen wir auf die Jahre der Umstellungen zurück: Wie wird sich der Berufsalltag der beiden Protagonisten im Bereich des Reportings und der Planung verändert haben? Was werden neue Herausforderungen und Aufgaben sein? Und vor allem: Welche neuen Chancen haben sich in den drei Jahren ergeben?

Die Spielgut AG ist ein traditionelles Familienunternehmen, das Spielzeugbausätze aus steckbaren Einzelteilen herstellt. Aufgrund seiner originellen Ideen, der Bekanntheit als etablierter Marke und der ausgezeichneten Qualität seiner Produkte hat das Unternehmen eine beachtliche Größe erreicht und liefert seine Produkte in alle Welt.

Anfang 2017 hatten der Finanzvorstand Finn Anzstetten und der Controlling-Chef Conrad Oller beschlossen, die Digitalisierung und die Automatisierung zur Stärkung der Marktposition der Spielgut AG voranzutreiben.

Angebot individueller Spielzeuge.
In den nachfolgenden Jahren wurde viel investiert. In der Produktion hielten sogenannte «cyberphysische Systeme» Einzug. Diese vernetzten Fertigungsmaschinen sind dank intelligenter Sensoren in der Lage, zahlreiche Informationen zu liefern und auszutauschen sowie an das ERP-System im Unternehmen zu senden.

So verfügen die technischen Komponenten in den Produktionsanlagen zum Beispiel über alle Informationen zum eigenen Auslastungsgrad und Energieverbrauch. Sie entscheiden etwa anhand des aktuellen Strompreises autonom über die Verteilung der Auslastung.

Die Anlagen wurden seither zudem flexibler: So produzieren sie zunächst problemlos einige Stunden lang Teile für das Produkt A und anschließend – ohne Umrüstzeit – Teile für Produkt B. Auch ist als Voraussetzung für die Einführung neuer Produkte nicht mehr eine Mindeststückzahl erforderlich – ja selbst Einzelproduktionen sind nun ohne Mehraufwände realisierbar. Die neue Flexibilität hilft der  Spielgut AG dabei, ganz individuelle Produkte anzubieten: So wurde zum Beispiel eine App entwickelt, mit deren Hilfe Kinder auf dem Tablet eigene Spielzeuge kreieren. Das personalisierte Spielzeug übermittelt das Kind anschließend mit einem Wisch auf dem Computerbildschirm und der Genehmigung seiner Eltern an den Spielgut-Onlineshop.

Erheblich mehr Daten, mehr KPIs.
Derartige Möglichkeiten verlangen von der IT allerdings auch einen technischen Kraftakt: Denn die neuen Anlagen und Geschäftsprozesse liefern nach der Modernisierung ein Vielfaches an Daten im Vergleich zu früher. Ebenso stieg die Komplexität der Prozessabläufe deutlich. Die Volumina der Datenspeicher explodierten, und in der Performance-Betrachtung kamen zahlreiche KPIs hinzu.

Positiv für Oller und Anzstetten war vor allem, dass die Kosten und Leistungen seitdem viel genauer verursachungsgerecht zugeordnet werden konnten (zum Beispiel der Energieverbrauch je Maschine und sogar pro Produkt).

Durch die Digitalisierung entlang der Wertschöpfungsketten und den Einsatz der cyberphysischen Systeme wurden zahlreiche Medienbrüche beseitigt, weshalb die Daten deutlich schneller als früher zur Verfügung stehen. Zahlreiche Metriken der Anlagen müssen nicht mehr manuell erfasst werden.

Die Digitalisierung beschränkt sich aber nicht nur auf die Produktion, sondern wird unternehmensweit sowie in der Kommunikation mit den Lieferanten und den Kunden vorangetrieben. Beispielsweise werden seit 2017 Rechnungen elektronisch ausgetauscht und Kontoauszüge zu 99 Prozent automatisch verbucht. «Wir wissen immer, wie es um unser Unternehmen steht», konstatiert Finanzchef Anzstetten nicht ohne Stolz. «Selbst die Spesenabrechnungen, die früher erst ein paar Wochen nach einer Dienstreise verbucht wurden, sind heute noch am gleichen Tag abrufbar, weil Taxi, Zug und Hotel mithilfe einer App auf dem Handy bezahlt werden. So kann ich mir jederzeit per Knopfdruck einen aktuellen Performance Report auf den Schirm holen.»


Thinking Forward Forum – Planungskonferenz am 9. Mai in Frankfurt am Main
Unter dem Motto «Mensch trifft Innovation» bietet das Thinking Forward Forum im dritten Jahr wieder Vorträge und Podiumsdiskussionen zur Zukunft der Unternehmensplanung. Referenten sind unter anderem Holger Schmidt (Focus Magazin, TU Darmstadt), Sascha Brosig (Horváth & Partners) und Joachim Teichmann (Thinking Networks). Auch Best Practices aus CPM-Projekten stehen auf dem Programm. So demonstriert etwa Sabrina Martin (Berlin Hyp) wie der Immobilienfinanzierer sein Geschäft mit einer neuen Gesamtbankplanung beflügelte. Die kostenfreie Ticketreservierung ist bis zum 15. April auf der Event-Seite www.tff17.de möglich.

*Joachim Teichmann ist Senior Consultant bei der Thinking Networks AG.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Druckausgabe Nr. 1/2017. Hier bestellen.


 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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