Flixbus

Flixbus Neulandentwickler.

Der dominante Anbieter von Busfernverbindungen in Europa erreichte seine Marktstellung ohne eigene physische Infrastruktur. Mithilfe eines intelligenten virtuellen BI-Systems steuert Flixbus ein Partnernetz.

Als Daniel Krauss 2012 von André Schwämmlein und Jochen Engert gefragt wurde, ob er nicht ein Bus-unternehmen mitgründen wolle, staunte er nach eigenen Angaben erst einmal: «Das war für mich als IT-ler (ich arbeitete damals bei Microsoft) nicht anders, als wenn sie mich gefragt hätten, ob wir gemeinsam Klobrillen produzieren sollten», sagte Krauss bei einer Präsentation des Flixbus-Konzepts auf dem Business Intelligence-Kongress des Forschungsinstituts BARC im November in Würzburg.

Krauss sagte zu und spielt heute als verantwortliches Geschäftsführungsmitglied für die IT eine Schlüsselrolle bei Flixbus. Denn der Erfolg des Unternehmens, das 2013 nach der Liberalisierung des europäischen Busmarkts startete, hängt vor allem vom Funktionieren des IT-Netzes und der BI-Software ab.

Flixbus ist kein klassischer Anbieter mit eigenen Fahrzeugen, Personal und Terminals, sondern steuert über ein datengetriebenes intelligentes Netz und Business Intelligence den Verbund mit Partnerunternehmen, die Busse, Fahrer und Infrastruktur auf eigene Rechnung in das das Flixbus-Netz einbringen.

Das Unternehmen agiert als virtueller Logistikbetrieb. Das Management koordiniert mehr als 300 Partnerbusunternehmen mit über 1'000 Fahrzeugen und rund 100'000 Verbindungen in Europa.

Laut Krauss geht es um eine «neue Form der smarten Mobilität»: Flixbus positionierte sich von Anfang an als Alternative zum Carsharing und Mitfahrgelegenheiten. Das Unternehmen differenziert sich durch Services, die eine leistungsstarke IT gewährleistet: unter anderem die Stornierungsmöglichkeit 15 Minuten vor Fahrtantritt, kostenloses WiFi und Stromsteckdosen an Bord, papierloser Check-in (mittels QR-Code oder einer einfachen Buchung über die Flixbus-App).
Flixbus stellt sich mit solchen Services flexibler als etwa die Bahn und als Alternative zum Individualverkehr. Seit der Übernahme der Wettbewerber Mein Fernbus, Postbus und Megabus und der damit einhergehenden europäischen Expansion zeigt das Unternehmen nun auch den Anbietern von innereuropäischen Günstigflügen die Zähne.

Doch die Expansion und das leistungsstarke IT-System sind teuer; die Kampfpreise von neun Cent pro Kilometer sind bei weitem nicht kostendeckend und laut Experten auf Dauer nicht zu halten.

Deshalb braucht Flixbus ständig frisches Kapital. Für eine kürzlich vollzogene neue Finanzierungsrunde gewann das Management neben den bisherigen Teilhabern General Atlantic, Holtzbrinck Ventures und Daimler auch Silver Lake, einen der führenden Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley.  

Nach Auskunft des Managements soll 2017 mit dem vorhandenen Geld noch stärker in die datengetriebene Weiterentwicklung von Qualität, Netz und Service investiert werden. Vorstandsmitglied André Schwämmlein betont: «Wir wollen dem Kunden genau die Strecke, zu der Zeit und dem Preis bieten, die er auch sucht. Durch datengetriebene Analyse von Verkehrsströmen können wir unser Angebot optimal auf Kundenbedürfnisse anpassen und dort wachsen, wo der Kunde fahren will.» Mithilfe eines transparenten Live-Trackings unter dem Motto «Where is my bus» können Fernbusnutzer bald auf der Webseite und per App nachvollziehen, wo sich ihr FlixBus befindet. Und auf der E-Learning-Plattform «Flix University» sollen die mehr als 5'000 Busfahrer zusätzlich weitergebildet werden

Profil: Flixbus
Unternehmenssitz: München
Branche: Verkehr
Kunden: rund 50 Millionen
Umsatz (geschätzt): 500 Millionen Euro


Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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